20.10.2013 · Kultur · Tags:

KonterKunst: World Press Photo


Opiumsüchtige Säuglinge in Afghanistan, Zwangsprostitution in Italien, Todesopfer in Syrien. Am Hauptbahnhof wird das Gesicht unserer Welt gezeigt. Die World Press Photo Ausstellung erzählt Geschichten aus aller Welt. Viele schrecklich, viele mutig.

Am Eingang vor den Stellwänden steht geschrieben, dass die hintere Seite der Ausstellung nichts für Kinderaugen ist. Von Außen findet man das übertrieben, sieht Pinguine, Homosexualität und ein Albino-Mädchen. Ich dreh die erste Kurve und mir schießen Tränen in die Augen. Die Bilder erzählen die Schicksale von schwerverwundeten Jugendlichen, mit Säure entstellten Frauen oder allein gelassenen Kleinkindern. Schicksale einer Welt, wie wir sie uns weder vorstellen können noch wollen.

Und doch: Wie kann die Frau aus Kenia mit einem Lächeln auf den Lippen in einem zerfledderten Buch lesen, obwohl sie inmitten auf einer krebserregenden Müllhalde sitzt? Wie können diese Lesben sich fröhlich den Bauch zeigen, obwohl in Vietnam Homosexualität verpönt ist? Und woher nehmen die Frauen unter der Burka den Mut Basketball zu spielen, wenn ihnen doch die Todesstrafe droht? Die Fotos sind großartig, keine Frage. Doch für diesen Gedanken ist beim Verlassen des Bahnhofes kein Platz. Das einzige was bleibt ist Entsetzen über unsere Welt. Und eine stumme Bewunderung über die Stärke und Kraft der abgebildeten Menschen. Die bleibt auch.


(Fotos: Ramona Drosner for twoinarow.com)


World Press Photo Ausstellung

Hauptbahnhof München
Schalterhalle

 

Bilder von oben nach unten:
Abb. 1) Von Frederik Buyckx: in einer „bereinigten“ Favela in Rio de Janeiro
Abb. 2) Von Fu Yongjun: Ein Mädchen in China, das von ihren Wanderarbeiter-Eltern zurückgelassen wurde
Abb. 3) World Press Photo 2012 von Paul Hansen: Die Leichen von Suhaib Hijazi (2) und ihrem Bruder Muhammad (3) werden in Gaza-Stadt nach einem israelischen Luftangriff zu Grabe getragen

Ramona

Ramona

ist Studentin an der Deutschen Journalistenschule. Sie findet, dass München in wenigstens einer Sache ziemlich gut ist: Kunst. Deswegen ist sie oft und gerne in Galerien anzutreffen.
Ramona

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