Interview mit MRAD

05.04.2014 · Interview, Musik · Tags:


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Neben dem riesigen Potential, das in MRAD steckt, können sich Merlin und Andi auch zu der seltenen Sorte eines Münchner Hardware-Liveact zählen. Kurz vor ihrem nächsten Gig, am Sonntag im Bob Beaman, haben wir sie ausführlich zu ihrer Entstehungsgeschichte, ihren Ambitionen und anstehenden Projekten befragt.

 

Wie hat sich euer musikalischer Werdegang abgespielt?

Andi: Einen musikalischen Hintergrund in meiner Kindheit gab es nicht wirklich. Meine Eltern wundern sich sogar eher, dass ich diese Richtung eingeschlagen habe. Ursprünglich komme ich aus dem Hip Hop. Rap, DJing und das damit verbundene Aufnehmen, damals noch mit Vierspur-Kassettenrekorder etc., haben mich geprägt. Mit 17 Jahren hab ich den Rave für mich entdeckt und begonnen mir auch elektronische Platten zu kaufen und irgendwann angefangen an eigenen Nummern zu basteln. Beruflich habe ich mich dann einige Jahre später mit der Kunst/Medien-Agentur neoARTIG selbstständig gemacht, daraus ist im Endeffekt das DJ-Kollektiv entstanden, das ich anfangs mit Kareem El Morr, Tino Klement und Leo Küchler aufgezogen habe. Nach vielen Jahren Nachtleben, unzähligen Partys und den allseits unvergessenen, nicht immer genehmigten, Open-Airs habe ich mich eine Weile aus der Szene zurückgezogen und meinen Fokus voll aufs Produzieren und Live-Spielen von Techno gelegt.

Merlin: Mir ist aufgefallen, dass ich mich immer phasenweise für etwas Bestimmtes begeistert habe, dabei aber auch oft die anfängliche Euphorie schnell wieder verflogen ist. Allerdings war bei jeder dieser Phasen immer Musik aus ganz unterschiedlichen Genres dabei. Musik hat mich also schon mein ganzes Leben begleitet und als ich eine Zeit lang eine krankheitsbedingte Pause machen musste, habe ich angefangen mich damit tiefer vertraut zu machen. Seitdem habe ich mein ganzes Geld in die Musik gesteckt und mich fast ausschließlich nur noch damit beschäftigt. Ich konnte bisher immer wieder neue Facetten in dem Bereich Audio für mich entdecken, was das Thema für mich nie langweilig werden lässt. Ob es sich dabei um die Vertonung von Kurzfilmen, Aufnahme akustischer Instrumente, experimentelles Sounddesign, dem Ausprobieren mit anderen Musikern oder auf Audio bezogene E-Technik handelt, so birgt jedes Projekt einen ganz eigenen Kosmos in sich selbst und so empfinde ich das als eine kontinuierliche Entdeckungsreise.

Wie kam es zu eurem gemeinsamen Projekt MRAD?

Kennengelernt haben wir uns durch neoARTIG und hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander. Vor etwa einem Jahr haben wir dann wirklich angefangen einen gemeinsamen musikalischen Weg zu gehen. Davor haben wir lange alleine vor uns hin gearbeitet, durch die Zusammenarbeit hat sich unser Vorankommen deutlich verbessert. Durch die gemeinsame Passion können wir immer wieder etwas vom anderen lernen, genießen die gemeinsamen Höhen und ziehen uns gegenseitig aus Kreativlöchern wieder heraus. Die Gründung von MRAD hat uns also in jeglicher Hinsicht weitergebracht.

Wie seht ihr eure Entwicklung und Ambitionen?

MRAD befindet sich in einer stetigen Entwicklungsphase. Wir haben mittlerweile für uns einen gewissen Standard an Qualität erreicht und zunächst gewartet, bis wir mit unserer Arbeit an die Öffentlichkeit gegangen sind. Der Lernprozess bleibt immer noch. Musik ist für uns schon lange nicht mehr nur ein Hobby und hat für uns beide einen sehr hohen Stellenwert im Leben. Bei keiner anderen Tätigkeit spüren wir eine derart immense Motivation und Freude.

Live spielen ist bei euch ein wichtiger Punkt. Das bekommt man schließlich nicht oft zu sehen. Wie kann man sich ein Live-Set bei euch vorstellen?

Ja, das ist so eine Sache… Normalerweise spielen wir ohne Computer wie in der Roten Sonne,
doch jetzt ist 3 Tage vor dem Auftritt unsere MPC leider technisch ausgefallen, welche in unserem Setup als Master-Taktgeber für alle Instrumente und auch als kreativer Sampler dient. Wir haben momentan als einzige verfügbare Alternative den Rechner gewählt, wobei er genau diesen Job nur mäßig gut übernimmt.
Trotzdem mussten wir ihn notgedrungen einbinden. Unser Setup ist deshalb dieses mal nur „hardwarebasiert“. Bis auf einzelne Elemente aus dem Rechner, welche dann live durch analoge Effekte bearbeitet werden, kommt alles an Musik wie gewohnt aus unseren Kisten.
Ohne die exzessive Nutzung einer Software wie z.B. Ableton Live, wie dieses mal oder sonst ohne Computer, ist man natürlich vom Spektrum eingeschränkter, was wir aber zum Großteil als Befreiung empfinden. Durch das Wegfallen vieler Möglichkeiten wird der Umgang mit den wenigen Geräten kreativer. Man muss sich etwas einfallen lassen, wenn man an die technischen Grenzen der zum Teil noch aus den 80ern stammenden Instrumenten oder deren Nachbauten stößt und muss diese so gut wie möglich nutzen lernen. So wird schon einmal eine Drummachine aufgeschraubt und modifiziert, um den Funktionsumfang oder deren Klang zu erweitern.
Bei unseren Live-Sets geht es viel um Improvisation. Zwar geht man schon mit einer gewissen Planung ans Werk aber meistens geht es dann bei uns in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Beim Spielen entwickelt sich eine Eigendynamik, die uns oft selbst überrascht und viel mehr Spaß macht als eingeschränkte Abläufe. Darum gleicht auch kein Set dem anderen. Fürs UFO im Bob Beaman am Sonntag spielen wir ein komplett anderes Set als zum Beispiel vergangenen Januar in der Roten Sonne. Der roughe MRAD-Charakter bleibt aber immer bestehen. Zudem harmonieren wir einfach gut beim Zusammenspielen.

Musikalisch fahrt ihr also nicht nur eine Richtung. Was bedeutet das für euch und eure Live Sets?

Wie bereits erwähnt rattern wir nicht bei jedem Gig das gleiche Programm herunter. Musikalisch sind wir in der Tat recht flexibel: Auf einem Open Air im Sommer würden wir zum Beispiel anders als im dunklen Techno-Club spielen. Wir haben kein festes Setup, außerdem kommen immer neue Maschinen hinzu und andere gehen wieder. So genau kann man im Voraus nicht sagen wie sich der Gig anhören wird. Da wir auch ein großes Faible für Acid- & Chicago House haben, werden wir unter dem Namen Cacidy statt dem eher straighten MRAD-Techno in diese Richtung gehen. Wir haben einfach viel zu viele Vorlieben, um alle unter einen Hut zu bringen. So werden vermutlich auch noch weitere Projekte ins Leben gerufen. Hierfür haben wir uns viel Zeit für die Zukunft eingeplant und sind derzeit dringend auf der Suche nach einem passendem (Studio-)Raum, um unser Equipment, mehr verschiedene Arbeitsweisen und unsere Kreativität unter ein Dach zu bringen und um technischen Möglichkeiten erweitern zu können.

Wie sieht es mit kommenden Releases aus?

Wir arbeiten derzeit viel daran, um den Qualitätsanspruch, den wir uns gegenüber bei dem Thema haben, zu erfüllen. Einige Promos haben wir bereits verschickt und sind mit lokalen Labels im Gespräch. Unser erstes Release steht schon fest: Es wird voraussichtlich Ende 2014/Anfang 2015 auf dem neuen Techno Sublabel von Pastamusik Namens RFR erscheinen. Insgesamt haben wir von allen Seiten ein gutes Feedback bekommen und einiges in Planung, wovon man in absehbarer Zeit hören wird.

Wie schätzt ihr die derzeitige Szene in München ein, speziell im Bereich der Techno-Musik?

Derzeit tut sich was in München, es gibt einige bemerkenswerte Künstler wie z.B. Jichael Mackson, Analog Roland Orchester, Dario & Marco Zenker usw., die es schaffen mit ihrer Arbeit viel Aufmerksamkeit zu erregen. Auch Labels wie Pastamusik, Ilian Tape, Stock5, Prologue und Harry Klein Records sollten vielen in der Szene ein Begriff sein.
Aber obwohl der Output steigt, sind das immer noch zu wenige. Wir finden es ein wenig schade, dass Münchens Techno-Szene manchmal unterbewertet wird oder sie in dem ganzen Feiermainstream untergeht. Wir freuen uns besonders, dass es auch einige junge Leute gibt, die etwas starten. Wie zum Beispiel Aura.Karma oder das Label Molten Moods, das vor kurzem gelauncht wurde. Unseres Wissens nach sind auch noch bei einigen anderen Schaffenden Projekte in der Pipeline, von denen wir bald hören werden.
Sehr wichtig ist uns auch die lokale Verbundenheit und der persönliche Kontakt zu Münchner Labels und Musikern. München hat viel Potential und wir wollen unseren Teil dazu beitragen.

Man munkelt ihr steckt momentan noch in ein anderes Projekt viel Zeit und Herzblut?

Ja, unser eigenes Label ist ein lang geplantes Projekt, das wir beide mit einer guten Freundin und großer Unterstützung von vielen Seiten verwirklichen wollen. Der unangenehme bürokratische Weg ist soweit geebnet und wir feilen an unseren finalen Ideen. Es soll kein 0815-Plattenlabel werden. Einige Besonderheiten haben wir uns bereits ausgedacht, aber davon werden wir euch hier bald ausführlich erzählen.

Wo können wir euch als nächstes live sehen?

Wir freuen uns schon wahnsinnig darauf am Sonntag, den 06.04. (17:00 Uhr) im Bob Beaman bei UFO zu spielen. Das ist für uns eine große Ehre, da wir uns in deren anspruchsvollen sowie internationalem Line-Up einreihen dürfen. Ein tolles Konzept von Stock 5 mit familiärem Vibe, der uns mittlerweile oft beim Ausgehen fehlt.
Unserer Feuertaufe hatten wir am 30.01.2014 in der Roten Sonne und das lief trotz kleiner technischer Schwierigkeiten besser als erwartet. Auch dort werden wir dieses Jahr bestimmt noch einmal zu Gast sein dürfen.

 

Aktuelles findet ihr auf der Webseite von MRAD oder auf Soundcloud

Angelika

Angelika

ist einer der beiden Gründer von Two In A Row und derzeit Studentin an der LMU München in Politikwissenschaften und Soziologie. In diesem Gebiet sind auch ihre Interessen verortet, denn sie beschäftigt sich vordergründig mit Gesellschaft und Kultur.
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