17.11.2015 · Kultur · Tags: ,

Die Ideenkonferenz „TEDxMünchen“


Als Stephan Balzer Anfang der 90er-Jahre zum ersten Mal von den TED-Konferenzen in den USA hörte, war sein erster Impuls selbst daran teilzuhaben. Er war sofort begeistert vom Konzept einer Ideenkonferenz auf der führende Köpfe aus den Bereichen Technologie, Design und Entertainment innerhalb einer guten Viertelstunde ihre Projekte und Denkanstöße auf den Punkt bringen und verständlich einem Publikum erklären. Doch in der damaligen Frühphase des Internets war es schwierig mehr Informationen darüber in Erfahrung zu bringen oder Kontaktpersonen zu finden, sodass TED für Balzer erst einmal in den Hintergrund rückte.
Einige Jahre später war nicht nur das Internet allgegenwärtig, sondern auch Ted auf seinem Vormarsch auf die Bildschirme der ganzen Welt, denn die Mitschnitte der Auftritte wurden fortan kostenlos ins Netz gestellt.

„Ideas worth spreading“ wurde zum Leitsatz von TED und wie es der Zufall so wollte, kam zu dem Zeitpunkt Stephan Balzer wieder ins Spiel, der von einer Freundin angefragt wurde, ein Kurzfilmprojekt für TED in Berlin zu organisieren. Bei dieser einen Begegnung blieb es nicht und so war Balzer bald darauf maßgeblich daran beteiligt „TEDx“ nach Europa zu bringen. Mit diesem Konzept sollte es Interessierten auf der ganzen Welt möglich gemacht werden einen lokalen Ableger der TED Talks in der eigenen Stadt zu realisieren, was einen wichtiger Schritt für das Verständnis der Organisation als „Open Scource“-Projekt bedeutete. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist dabei auch der Ticketpreis. Während sich der Durchschnittsbürger mehrere Tausend Euro für die Teilnahme an den TED-Konferenzen in den USA niemals leisten könnte, sind die Kosten für ein Ticket bei „TEDx“-Veranstaltungen vergleichsweise niedrig gehalten.

Balzer begann daraufhin die TED Talks in Deutschland zu etablieren. In 2009 fand die erste Veranstaltung in Berlin statt, seitdem erlangt das Format jedes Jahr mehr Reichweite. In der jüngeren Generation ist TED längst bekannt: zu einem unbekannten Thema wird gerne ein passender TED Talk als Einstieg herausgesucht, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Beliebt sind die Talks vor allem wegen des kompakten Formats und der Vorgabe an die Speaker Themen so zu erzählen, dass sie ein Publikum ohne jegliches Vorwissen auf dem Gebiet verstehen kann. Die meisten werden von TED in Rhetorik und Bühnenpräsenz gecoached, sodass auch nobelpreisträchtige Theorien oder komplexe Prozesse in der Stammzellenforschung einen mitreißenden Vortrag ergeben.
Die meiste Zeit des Jahres sind Stephan Balzer und sein Team damit beschäftigt gute Geschichten zu finden. Dabei sind sie auch auf Bewerbungen oder Empfehlungen angewiesen durch die sie auf potentielle Speaker aufmerksam werden.

Das Ergebnis dieser Suche konnte man sich diese Woche bei der dritten Ausgabe von TEDxMünchen vor Augen führen. Unter dem Titel „Hidden Treasures“ gab es 12 Talks und 4 Performances auf der Bühne des Circus Krone zu sehen, die mehr oder weniger offensichtlich Bezug zu dem weit gefassten Stichwort aufwiesen. Das tat dem Format aber gerade gut, denn so war von Korruptionsbekämpfung, illegalem Organhandel in China über zukünftige Integration von Robotern in den Alltag bis zu einem tatsächlichen Schatzsucher viel Abwechslung geboten. Die Mischung aus 18-minütigen Vorträgen und musikalischen Performances ist dabei so stimmig, dass selbst Menschen mit kürzester Aufmerksamkeitsspanne den ganzen Abend zu fesseln sind.

Inhaltlich war interessant, wie präsent die mediendominierende Flüchtlingsthematik auch bei den TED Talks zu finden war. Daniel Überall sprach über Flüchtlingshilfe auf der Balkanroute, David Jacob über die Website „Workeer“, die Geflüchtete und Arbeitgeber in Deutschland zusammenbringen soll und Alison Killing über die Bedeutung von Grenzen und das spezielle Privileg eines europäischen Passes. Besonders beeindruckend waren drei arabische Lieder mit Pianobegleitung, vorgetragen von Aeham Ahmad, der vor Krieg und Terror aus Syrien flüchten musste.

Am Ende gehen die Zuschauer mit einem ganzen Sack voll neuer Ideen nach Hause. Was man dann schlussendlich für Konsequenzen daraus zieht, bleibt jedem Einzelnen selbst überlassen, denn Fragerunden nach den Vorträgen sind grundsätzlich nicht eingeplant. Wer mehr über das Thema erfahren will oder mit einem Aspekt nicht einverstanden ist, muss in den Pausen persönlich an die Speaker herantreten.
Für alle auf TEDxMünchen vorgestellten Projekten ist es jedenfalls wünschenswert, dass ihnen der kurze 18-minütige Auftritt ein größeres Publikum erschließt und sie so ein Stück weiter in der Realisierung ihrer Ziele kommen.

Fotos: Bert Willer / TEDxMünchen 2015

Angelika

Angelika

ist einer der beiden Gründer von Two In A Row und derzeit Studentin an der LMU München in Politikwissenschaften und Soziologie. In diesem Gebiet sind auch ihre Interessen verortet, denn sie beschäftigt sich vordergründig mit Gesellschaft und Kultur.
Angelika

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