05.05.2016 · Interview, Musik · Tags:

Interview: Okta Logue


Die vier-köpfige Band Okta Logue, ursprünglich in Hessen, mittlerweile in Hamburg beheimatet, zieht mittlerweile weite Kreise in der internationalen Musikszene. Nach sorgsamer Detailarbeit ist vor einigen Wochen ihr drittes Album „Diamonds & Despair“ an den Start gegangen und fügt der Liebe für Rock, Prog und Psychedelic der 60er und 70er-Jahre nun auch einige elektronische Klänge hinzu. Vor ihrem Konzert am Samstag, den 07.05. im Milla haben wir mit dem Sänger und Bassisten Benno Herz gesprochen.


 
Wie hat sich euer Weg zur Musik und schließlich zur eigenen Band gestaltet?

Wir haben alle schon als Kids angefangen Instrumente zu spielen. Mein Bruder Robert hatte sein erstes Schlagzeug schon im Kinderzimmer mit 9, 10 Jahren. Da haben wir dann gemeinsam Die Ärzte und Nirvana gecovert, bevor wir unsere erste eigene Deutschpunk-Band gründeten. Philip war auch schon immer aktiv in eigenen Bands und Projekten. Zum Bass bin ich dann erst durch Okta Logue gekommen, weil die Frage, wer Gitarre spielen würde, aus offensichtlichen Gründen relativ schnell geklärt war. Die Gründung der Band in ihrer Urform war im Herbst 2008. Ich lernte Philip vor einem Club kennen, wir unterhielten uns die ganze Nacht und gründeten am nächsten Tag mit Robert an den Drums die Band. Von Anfang an hatten wir eine relativ klare Vorstellung von dem Sound den wir machen wollten.

Ihr beschäftigt euch schon seit Jahren mit Musik und man meint, die verschiedensten musikalischen Einflüsse der vergangenen Jahrzehnte auf euren Alben herauszuhören. Inwiefern prägen euch und eure Musik andere kulturelle Disziplinen wie zum Beispiel die Literatur, Film oder Kunst?

Wir sind sehr inspiriert von anderen Kunstformen neben der Musik. Viele Leute beschreiben unsere Musik als sehr filmisch, was meiner Meinung nach auch zutrifft. Ich muss bei unserem neuen Album immer an den Soundtrack eines Roadtrip-Films oder eines modernen Westerns denken. Wir hätten auch große Lust irgendwann mal Filmmusik zu schreiben. Wir lesen alle viel und ich habe zuletzt gemerkt, dass besonders Antoine de Saint-Exupery einen großen Einfluss auf meine Texte hat, aber auch andere Autoren. Robert beschäftigt sich auch viel mit Jugendstil, der ja in unserer Heimatstadt Darmstadt seine Hochphase erlebte.

Könnt ihr auf eurem neuen Album „Diamonds & Despair“ einen erzählerischen roten Faden beschreiben, den ihr verfolgt?

Es gibt kein durchgehendes oder kontinuierliches Narrativ auf dem Album, aber die Songs korrespondieren schon miteinander. Mir ist erst kürzlich aufgefallen, dass der erste Song „Pitch Black Dark“ und der letzte Song „Take It All“ beide von einer Identitätskrise und der Angst vor Wahnsinn handeln, sie bilden somit eine inhaltliche Klammer um das Album. Unsere Songs handeln oft von durchzechten Sommernächten, Exzess und Euphorie. In anderen Liedern geht es um das Unterwegs-Sein oder um „den Tag danach“, das alleine sein und runterkommen. Im Titel des Albums wird das inhaltliche Spannungsfeld recht gut deutlich.

In welchen Aspekten setzt sich „Diamonds & Despair“ von euren beiden Erstlingswerken ab?

Es ist in vielerlei Hinsicht durchdachter, wir haben darauf geachtet, stärkere Songs zu schreiben und noch ausgefeilter in unseren Arrangements zu werden. Die Texte sind persönlicher und tiefer finde ich. Durch das viele Touren sind wir auch alle besser geworden an unsern Instrumenten. Durch die Arbeit mit unserem Produzenten Swen Meyer setzt sich die Platte auch klanglich deutlich von den ersten zwei ab. Wir mögen die beiden ersten Platten dennoch sehr gerne, sie sind Teil unserer Entwicklung.

Wie habt ihr eure US-Tour erlebt und welche Erfahrungen nehmt ihr daraus mit?

Ich habe seitdem einen natürlicheren Umgang mit Englisch als Singsprache. Meine Texte wurden sehr positiv wahrgenommen und ich habe dadurch meine Unsicherheit verloren und traue mich jetzt beim Schreiben ganz persönlich mit der Sprache umzugehen. Vor der Tour war ich etwas nervös, wie man es wohl wahrnehmen würde, wenn ich als Deutscher englisch singe. Insgesamt war die Tour für uns als Band aber auch als Freunde eine wunderschöne Erfahrung. Wir hätten niemals gedacht als Band aus Hessen irgendwann mal auf einer Bühne in San Francisco zu stehen. Wir haben außerdem gemerkt, dass unsere Musik total universell ist und relativ wenig mit unserer Herkunft zu tun hat. Leute waren überrascht, wenn sie erfuhren, dass wir aus Deutschland sind.

Wenn ihr eure gemeinsame Zeit als Okta Logue Revue passieren lasst: was ist noch wie zu den Anfangstagen und in welchen Facetten habt ihr euch verändert?

Wir sind immer noch dicke Freunde und haben eine Menge Spaß zusammen. Das ist denke ich der Grundstein der Band. Viele Dinge sind professioneller und routinierter geworden, wir waren sehr chaotisch am Anfang. Wir sind auf jeden Fall noch genauso albern wie vor 8 Jahren. Wir sind nicht mehr ganz so naiv sondern haben einen etwas nüchternen Blick auf die Dinge bekommen. Nichtsdestotrotz genießen wir immer noch all die schönen Momente auf Tour und im Studio wie beim ersten Mal.

 

Wir verlosen 1×2 Karten für das Konzert am 07.05.16 im Milla!
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Fotos: Ben Wolf

Angelika

Angelika

ist einer der beiden Gründer von Two In A Row und derzeit Studentin an der LMU München in Politikwissenschaften und Soziologie. In diesem Gebiet sind auch ihre Interessen verortet, denn sie beschäftigt sich vordergründig mit Gesellschaft und Kultur.
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